Was wird dazu geforscht?

Um die Probleme der betroffenen Kinder für den weiteren Bildungsweg in den Griff zu bekommen, bedarf es weiterer systematischer Forschungsanstrengungen zu den Ursachen, der Diagnostik und den Präventions- und Interventionsmöglichkeiten. 

Spezifische Lernstörungen wie im Lesen und/oder Rechtschreiben und/oder Rechnen sind insbesondere in der Mitte der Grundschuljahre weit verbreitet. Zahlreiche Studien belegen die schlechteren Bildungs- und Berufschancen für Menschen mit Defiziten in diesen Leistungsbereichen. Eine evidenzbasierte Förderung der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist daher von zentraler Bedeutung für die Gewährleistung gleicher Möglichkeiten individueller Entfaltung.

Allerdings sind Lernstörungen wie auch Fördermaßnahmen in den genannten Bereichen bislang noch unzureichend wissenschaftlich untersucht. Neben der symptomatischen Abklärung möglicher Lernstörungen ist insbesondere die Forschung zu individueller, ursachenbezogener Diagnostik erforderlich, um weitere Schritte für die Förderung abzuleiten.

Nur auf Grundlage einer präzisen Diagnostik können auch individuelle, ursachenbezogene und evidenzbasierte Maßnahmen zur Förderung entworfen werden. Bevor ein Förder- oder Therapieprogramm implementiert wird, sollte eine empirische Wirksamkeitsüberprüfung erfolgen.

Die einzelnen wissenschaftlich zu überprüfenden Wirkfaktoren sollten sich dabei aus jenen Bereichen zusammensetzen, die auf der einen Seite Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Lernstörungen besondere Schwierigkeiten bereiten und/oder auf der anderen Seite besonders gut zum Ausgleich dieser Schwierigkeiten geeignet sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind mögliche komorbide Auffälligkeiten bzw. Störungen (z. B. in den Bereichen Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, Emotion, Motivation), deren Diagnose und Einbindung in die Förderung ebenfalls einen wichtigen Faktor für eine erfolgreiche Förderung betroffener Personen darstellt. Nachfolgend wird aktuelle Forschung zu Lernstörungen in Deutschland/ im deutschsprachigen Raum vorgestellt.

 

Forschungsprojekte

Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (ESF)

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veranlasste Forschungsinitiative „Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“ (ESF) war eine Initiative im Kontext des BMBF-Rahmenprogramms zur Förderung der Empirischen Bildungsforschung. Im BMBF-Forschungsschwerpunkt “Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten” wurden zwischen 2011-2018 dreizehn Forschungsprojekte gefördert.

Ein Schwerpunkt der Projekte lag in der Erforschung der Ursachen von Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten mit dem Ziel, daraus Ansätze für eine angemessene förderrelevante Diagnostik und eine wirksame individuelle Förderung Betroffener zu gewinnen. Auch neuropsychologische Korrelate schulischer Entwicklungsstörungen und die Frage der Wirksamkeit innovativer computerbasierter Übungsprogramme wurden thematisiert. Längsschnittlich angelegte Untersuchungen fokussierten außerdem die Bedeutung von Vorläufern bzw. frühen Fertigkeiten in der Entwicklung von Lese-, Rechtschreib- und Rechenfertigkeiten.

LONDI

LONDI ist ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben an dem 40 Forschende aus unterschiedlichen Fachdisziplinen in ganz Deutschland beteiligt sind. In jeweils drei Projekten zur förderrelevanten Diagnostik und evidenzbasierten Förderung werden neue Diagnose- und Förderkonzepte entwickelt.

Die Neuentwicklungen sowie bereits vorhandene Tests und Förderprogramme werden von einem weiteren Forschungsteam nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet. Die dadurch gewonnenen Informationen werden für die Praxis aufbereitet und den professionellen Nutzern zur Verfügung gestellt.

Die künftigen Nutzergruppen sind eng in den Entwicklungsprozess eingebunden. Die Forschenden erhalten Unterstützung aus der Deutsch- und Mathematikdidaktik, der Schulpsychologie, der Kommunalen Jugendhilfe, der Lerntherapie, der IT, sowie von Eltern.

Das Verbundvorhaben wird von den Koordinatoren Prof. Dr. Marcus Hasselhorn, DIPF Frankfurt und Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne (LMU München, Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und-psychotherapie) geleitet.

Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München (KJP)

An der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München werden laufend Forschungsprojekte zu der Diagnostik und Förderung der Lernstörungen durchgeführt. Die Arbeitsgruppen an der KJP haben die Leitlinien zu „Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung“ und zu „Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung“ koordiniert und beide Leitlinien befinden sich auf deren Internetseite.

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